Social Freezing – Eizellen einfrieren als Personalinstrument?

Da bieten bekannte Unternehmen wie Google und Facebook ihren (jungen) Mitarbeiterinnen unter dem Etikett „Social Freezing“ an, ihre Eizellen einfrieren zu lassen (vgl. u.a. Frankfurter Allgemeine Zeitung). Verkauft wird das als das ultimative Tool zur Mitarbeiterbindung. Dazu soll es im Sinne des Employer Branding die Unternehmen als besonders innovativ positionieren.

Nüchtern betrachtet ist das Instrument die logische Konsequenz aus den wesentlichen Entwicklungen unseres Jahrzehnts. Wir wollen junge Leute, die bestens und vor allem schnell ausgebildet den Unternehmen als Nachwuchs zur Verfügung stehen. Die Lockmittel Karriere und Selbstverwirklichung  bringen Menschen dazu, ihre volle Energie und Aufmerksamkeit in die Unternehmen zu leiten. Alles wäre gut, gäbe es da nicht diese biologische Beschränkung hinsichtlich der Nachwuchsempfängnis bei der Frau.

Solange es genügend Nachwuchspotential für die Unternehmen gab, war das alles ziemlich unproblematisch. Aber heutzutage: Vereinbarkeit von Beruf und Familie über Kinderkrippe, Kindertagesstätte, verlässliche Grundschule, weiterführende Ganztagsschule. All das erleichtert die Mitarbeiterinnenverfügbarkeit. Das lässt sich (theoretisch) aber noch steigern, indem man noch vor der Empfängnis ansetzt. Deshalb nun der nächste Schritt: Eizellen einfrieren.

Zumindest die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis erhöht sich so auch bei einem in die Zukunft verlegten Zeugungsversuch – wenn man den Statistiken der daran verdienenden Ärzte Glauben schenken mag. Grundvoraussetzung ist dabei aber die Akzeptanz der Empfängnis auf künstlichem Wege. Und das Vertrauen darin, dass Befruchtungsversuche auch in dann verknappter Zeit noch zu Schwangerschaft und Nachwuchs führen. Ein erhöhtes gesundheitliches Risiko birgt diese Variante ohnehin. Denn Eizellentnahme ebenso wie künstliche Befruchtung bedeuten stets hormonelle Behandlung, Narkoserisiko und Fremdbestimmtheit aufgrund regelmäßiger Arztbesuche. Wir reden hier von einer Stimulation des Körpers, mehr Eizellen als in einem natürlichen Zyklus zu produzieren. Man denke an einen bis zum Bersten gespannten Euter. Last but not least: Vielleicht stellen sich auch angehende Väter den Akt der Zeugung romantischer vor als eine Samenspende in einen Becher.

Ist es das wert? Das ist – wie immer – eine individuelle Entscheidung.

Stellt sich die Frage, warum Unternehmen wie Facebook und Google eigentlich ein Interesse daran haben, junge Menschen zur zeitlichen Verschiebung der Familiengründung zu animieren. Zum einen sicherlich, weil in unserer Gesellschaft junge Erwachsene mit Aktivität, Tatkraft und höherer Belastbarkeit assoziiert werden. Gehen wir aber gedanklich noch einen Schritt weiter: Junge Menschen sind im Vergleich zu älteren Menschen grundsätzlich offener, besser formbar. Sie haben (ohne Kinder) deutlich weniger Verpflichtungen gegenüber anderen. Und werden meist auch als etwas unkritischer und (einsatz-) williger wahrgenommen. Nur ein Gedanke, nur ein Spiel, aber: Liegt in diesen Punkten die eigentliche Motivation für die Präferenz der Unternehmen für spätere Elternschaft?

Ist es das wert? Das ist bei marktorientierten Unternehmen – wie immer – eine Frage des erwarteten Gewinns. Für Facebook und Google jedenfalls scheint die Kalkulation für das ‚Social Freezing‘ aufzugehen. Das ließe sich übrigens verifizieren, wenn wir gedanklich von der entgegengesetzten Seite kommen: Würden Unternehmen junge Mitarbeiter zu einem Modell ‚family first‘ ermutigen? Wenn ja, warum?

Eine letzter Aspekt: ‚Social Freezing‘ könnte wörtlich übersetzt so etwas wie „Soziales Einfrieren“ bedeuten. Wunderbar, wie ehrlich Sprache doch wieder ist, oder? Wie das soziale Einfrieren dann mit den weithin geforderten „sozialen Kompetenzen“ überein gehen soll, mögen dann andere erklären.

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