Funktionsloses Altern?

Viele Menschen definieren sich über ihre berufliche Funktion. Letztens auf einer Hochzeit saß ich am Tisch mit Freunden des Bräutigamvaters. Altersgruppe zwischen Mitte und Ende 60. Natürlich wurde mir dann irgendwann die Frage gestellt, was ich denn beruflich so mache. Nach meiner Antwort fragte ich dann auch interessiert zurück: Und, was machen Sie so?

Das Spannende war dann, dass mir diese Männer erzählten, was Sie früher beruflich gemacht hätten: „Ich war Verkaufsleiter mit Verantwortung für 15 Mitarbeiter in der Textilindustrie“ oder „Ich bin Journalist gewesen und, und, und. Das Interessante daran: Meine Frage wollte die derzeitige Tätigkeit erkunden, die Antworten bezogen sich stets auf die vergangene berufliche Tätigkeit. Was sagt so etwas über diese – übrigens sehr netten – Männer an einem kurzweiligen Hochzeitsabend aus?

Ich habe darüber nachgedacht. Und bin zu der Erklärung gekommen, dass diese Männer ihre gegenwärtige Zeitverwendung anscheinend wenig wertschätzen. Mich interessiert als Enddreissiger, wie fast drei Jahrzehnte ältere Mensche ihr Leben leben. Da kommt: Was Vergangenes. Sehen sie gegenwärtig wenig Erzählenswertes? Oder setzen sie voraus, dass nur das Ausfüllen einer beruflichen Funktion ‚etwas wert‘ ist? Ein von diesen Männern so wahrgenommenes „funktionsloses Altern“ also. Jedenfalls, wenn im Selbstbild die einzig wertzuschätzende Funktion eine berufliche ist.

Ein Gegenentwurf zum funktionslosen Altern: Funktionierende Selbst-Wertschätzung.

[gh, 11.11.2014]


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